Die Falle im Kleindgedruckten - Kreditkartenakzeptanz in Hotels und die Mär vom Disagio unter 1 Prozent

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2015 freuten sich viele Unternehmen auf die groß angekündigte, europweit vereinheitlichte Neuregulierung der Interbankenentgelte und der damit verbundenen Absenkung der Gebühren bei Kreditkartenzahlungen.

Und wirklich: bereits kurz nach der Einführung zogen Heere von Außendienstlern durch die Lande und köderten Kunden mit dem Versprechen von Gebühren unter einem Prozent.

Der Mär vom günstigen Disagio sitzen bis heute selbst erfahrene Kaufleute auf.  


Viele Hotels bekamen in den letzten Jahren Besuch von Außendienstlern der bekannten Zahlungsanbieter, die mit vollmundigen Verprechen Ihren Neu- und Bestandskunden neue Veträge zu besseren Konditionen anboten. Das Versprechen: ein Disagio bei Kreditkartenzahlungen von unter einem Prozent.

Und natürlich, wer möchte nicht bei einem Kostenfaktor sparen, der für den Hotelgast im Prinzip nicht vergleichbar und ohne Qualitätsverlust austauschbar ist? Die in den Medien angekündigte Begrenzung der sogenannten Interbanken-Entgelte war allgegenwärtig, die Vertriebler bestens geschult und so entschlossen sich viele Hoteliers zum Abschluß neuer Verträge.


Selbst gestandene Hoteliers haben teilweise bis heute nicht bemerkt, das das versprochene Disagio nur auf einen - je nach Anteil der Geschäftskunden am Gastvolumen größeren oder kleineren - Teil Anwendung findet. Das Zauberwort in den Gebührenverzeichnissen der Anbieter lautet "Commercial cards"


Das offene Geheimnis der Commercial Card Surcharges


Wie so oft in EU-Verordnungen so findet sich auch in der Verordnung 2015/751 des Europäischen Parlaments vom 29.04.2015 eine Ausnahmeregelung, die die urspüngliche Idee der Begrenzung der Kreditkartengebühren für einen großen Teil der Kreditkartenzahlungen umgeht. So findet sich schon in Kapitel I Zif. 3 Absatz 1. eine Ausnahmeregelung für sogenannte Commercial Cards, auch Firmenkarten genannt.


Nur, was sind Commercial cards? 


Commercial cards sind Kreditkarten die mit Firmenkonten verknüpft sind. Vom kleinen Einzelunternehmer bis zum Mitarbeiter eines Konzerns, in der Regel sind die Karten der meisten Businesstraveller Commercial cards, auch Firmen-, Business- oder Coorporate cards genannt.


Definition Commercial cards gemäß EU-Verordnung 2015/751 vom 29.04.2015:

„Firmenkarte“ jedes kartengebundene Zahlungsinstrument, das an Unternehmen oder öffentliche Stellen oder selbständige natürliche Personen ausgegeben wird und dessen Nutzung auf geschäftliche bzw. dienstliche Ausgaben beschränkt ist, wobei die mit einer solchen Karte vorgenommenen Zahlungen direkt von dem Konto des Unternehmens oder der öffentlichen Stelle oder der selbständigen natürlichen Person abgebucht werden;


Das wissen freilich auch die Zahlungsdienstleister und haben umgehend komplexe Gebührenmodelle entwickelt, in denen die Commercial card surcharges - also Aufschläge auf die "Standard"-Gebühren - gut versteckt in ellenlangen Gebührentabellen versteckt sind. 


In der Regel werden, neben dem gerne werbewirksam kommunzierten Disagio von 0,6-1,1%, Aufschläge von bis zu einem Prozent fällig, was sich letztlich zu einem vom Hotelier zu bezahlenden Real-Disagio von 1,6-2,2% aufsummiert.


Nur wenige Hoteliers sind sich bisher dieser Praxis bewusst, denn Hand aufs Herz - wann haben Sie zuletzt wirklich einmal das Kleingedruckte in Ihren Verträgen gelesen und/oder sogar das berechnete Disago auf Ihrer Kreditkartenabrechnung nachgerechnet?


Ein weiteres Problem: woran erkennt der Hotelier in der Praxis ob es sich um eine Commercial- oder eine Private Card handelt?  Woran erkennt der Hotelier ob eine Zahlung mit 0,8% oder gar mit 1,9% Disagio belastet ist?


Die Antwort ist einfach: gar nicht. de facto ist eine Firmenenkreditkarte äußerlich nur selten von einer Consumer card zu unterscheiden. Und selbst wenn die Karten auf den ersten Blick unterscheidbar wären: ein Geschäftsreisender wird beim Checkout nur selten zu überzeugen sein, seine private Kreditkarte statt seiner Firmenkarte zur Zahlung zu verwenden. Faktisch haben Hoteliers also keinen Einfluss auf das zu zahlende Disagio, insofern Sie den Kunden nicht von EC-Karten- oder Barzahlung überzeugen können und/oder möchten.



Fazit:


Gebühren für die Zahlungsabwicklung stellen für viele Hoteliers einen ungeliebten Kostenfaktor dar, trotzdem wissen viele sehr gut das (Dienst-) Leistung Geld kostet und haben sich mit Kreditkartengebühren zwangsweise arrangiert. Letztlich ist die Akzeptanz von Kreditkartenzahlungen auch Service und bietet außerdem erheblichen Mehrwert wenn es z. B. um das Absichern von Buchungen geht.


Die angedachte Deckelung der Kreditkartengebühren stellt sich jedoch vier Jahre nach Einführung eher als Trojanisches Pferd heraus, wurden doch - auch neben den Commercial card surcharges- noch zahlreiche weitere Extra-Gebühren von der Zahlungsanbietern erfunden, um die Deckelung der Interbankenentgelte zu umgehen. Das heute gezahlte Real-Disagio liegt in nicht wenigen Fällen sogar über dem Disagio vor Einführung der Regelung.


Das es auch anders geht zeigen neue Mitspieler auf dem Markt der Zahlungsdienstleister: der US-Anbieter Stripe® verzichtet nicht nur auf komplexe Gebührentabellen, sogar die bei vielen Hoteliers ungern gesehenen American Express Karten werden durch eine Mischkalkulation mit dem selben Disagio abgerechnet wie VISA & Mastercard.